Beleidigt


Unter uns leben vermehrt Mitmenschen, die sich das Beleidigtsein regelrecht angewöhnt haben. Es ist ja auch schön, wenn immer andere Schuld haben, wenn etwas nicht so gelingt, wie man es sich vorgestellt hat. Zum Beispiel die Teilhabe ohne Leistung. Dreier BMW, wenn es gerade mal fürs Fahrrad reicht. Gut, das mag eine Haltung sein, die man häufig als eher unangebracht und unpassend empfinden kann, die einen jedoch nicht weiter berührt. 


Aktuell wird allerdings alle  Nase lang  der "Islam (durch irgendwas) beleidigt". Ich glaube, es wäre schon einiges gewonnen, wenn zwischen Spott, Kränkung, Karikatur und Beleidigung (um nur die wichtigsten zu nennen) unterschieden würde. Dann würde schnell klar, dass "der Islam" schon mal gar nicht beleidigt werden kann. Der Muslim darf sich aber gekränkt fühlen, wenn seine religiösen Gefühle verletzt werden. Ob zur Wiedergutmachung dann der Kopf abgeschnitten werden muss oder das Auspeitschen bis zum Tod vorzuziehen wäre - darüber wiederum kann man als freiheitlich lebender und hoffentlich denkender Mensch dann doch nur spotten.


Schaut man sich zum Beispiel bei Wikipedia die „ iste der Religionen und Weltanschauungen“ an, umgibt man sich sogleich mit allerlei Fettnäpfchen,  in die man minütlich rein versehentlich reintreten könnte, wenn man zufällig in der Stadt unterwegs ist. 

Von den möglicherweise in ihren religiösen Vorstellungen dann Gekränkten neigen erfreulicherweise die Wenigsten zum Kopfabschneidegebot bei religiösen Ordnungswidrigkeiten. Auch die Erhabenen Gottheiten sind durchweg ruhig und sachlich, halten sich still im Hintergrund, ganz im Gegensatz zu ihren häufig übereifrig wirkenden Adepten. Wobei man doch auch einen Gott nicht wirklich schätzen dürfte, der solches Gesindel zu seiner vorgeblichen „Verteidigung“ benötigt. Allein dies entzieht den selbsternannten Schlächtern im Namen des Herrn (Propheten) jegliche Legitimation. 



© Constantin Klein 2019