Kinderwunsch

nach einer wahren Geschichte


Ein Kind sollte es sein. Unbedingt. Darauf hatte sie hingelebt, die junge Frau. Lebensbestimmung. Lebenssinn. Daseinszweck. Unvorstellbar, dass es anders sein könnte. Gebete, Hoffnungen, Träume. Endlich ein Mann. Endlich! Endlich? Endlich hat sie eines Tages den Eindruck, es sei etwas GESCHEHEN! Furchtbar aufgeregt ruft sie die besten Freundinnen herbei. Es wird ein bisschen geweint und viel geredet. Eine Bestätigung muss her. SOFORT! Die eigene Ärztin ist in Urlaub, man findet am anderen Ende der Stadt Ersatz, letzter Termin des Tages. Eine kurze Untersuchung, banges Hoffen. UND DANN: es stimmt! Herzlichen Glückwunsch! Sie sind schwanger! Eine Kontrolle bei der eigenen Ärztin wird vereinbart. Dort einige Tage später: Herzlichen Glückwunsch! Sie sind schwanger! Allah sei gepriesen - Sie haben es sich doch so sehr gewünscht!

Aber was sehe ich denn da? Das sieht ja doch nach Zwillingen aus. Um so besser, oder? Naja, eine kleine Überraschung ist das schon, die zwei Kinder, die man sich so sehr gewünscht hat, gleich auf einmal. Gut, an den Gedanken wird man sich gewöhnen. Ein Aufwasch, das erspart ja auch einiges. In diese Gedanken hinein eine kleine fachliche Unsicherheit der Ärztin, der Ultraschallbefund ist nicht ganz so klar, wie man es gerne hätte. Aber da gibt es noch einen Spezialisten mit der modernsten Ausstattung weit und breit, zur Sicherheit. Gut, nur das Beste für die Babys! Und der Spezialist bestätigt die Diagnose. Schwanger, kein Zweifel, herzlichen Glückwunsch! Ja was haben wir denn hier? Da sehe ich doch glatt eine dritte Frucht: Drillinge, das hat man ja nicht so oft, herzlichen Glückwunsch! Drei auf einen Streich. Hoppala. Schluck. Sollten doch nur zwei werden. Insgesamt. Nacheinander, so wie es sein soll: erst DER JUNGE, dann später vielleicht ein Mädchen, zur Unterstützung im Haushalt. 

Und nun? Das ist doch ein bißchen zu viel auf einmal. Sie versucht tapfer zu sein, es fällt schwer, das ist zu viel ... 

Bitte nicht NOCH EINE Kontrolle. Wo soll das noch enden?

© Constantin Klein 2019